Comedy ist schwer. Comedy ist besonders schwer, wenn man nicht in seiner Muttersprache auftritt. DREW PORTNOY aber meistert diese Herausforderung. Er ist in Amerika geboren und aufgewachsen, hat aber Deutschland als seine Hauptbühne ausgewählt. Und wenn Du Amerikaner in Deutschland bist, sind die Abenteuer nicht weit…

 

DREW PORTNOY hatte eigentlich nicht vor Comedian zu werden. Er hat als Journalist gearbeitet und sein Job brachte ihn nach Deutschland und letztendlich auch nach Berlin. Es ist aber nichts Schlechtes in Berlin hängen zu bleiben. Hier hat DREW seine Frau, eine Deutsche, kennengelernt und zusammen haben sie zwei Kinder. Wenn ich ihn frage, wo er sich zu Hause fühlt – Deutschland oder Amerika – antwortet er „Bei meiner Familie. Früher habe ich das Herumreisen und Hotelzimmer geliebt, heute will ich nur zu Hause sein. Darum ist es klasse, wenn meine Familie mit mir auf Tour gehen kann.“ Home is where the heart is. Das ist kein Klischee. Es ist einfach nur wahr.

 

Was Drew eigentlich zur Comedy gebracht hat, war die erste Schwangerschaft seiner Frau. Diese ganzen seltsamen Wörter, die mit der Geburt zu tun hatten, haben ihn dazu gebracht nachzudenken. In Deutschland hört man nicht zweimal hin, wenn man das Wort Mutterkuchen hört, aber für einen Nicht-Muttersprachler ist die Assoziation zwischen Mutter und Kuchen in diesem Zusammenhang nur sehr schwer ersichtlich. So spricht DREW in seinen Shows gerne über Sprache, interkulturelle Begegnungen und die Flausen seiner Kinder. „Denn jeder Comedian erzählt gerne von seinen Kindern.“

 

DREW PORTNOY ist überzeugt, dass Deutsche seltsam sind. Vielleicht sind sie das. Zumindest sind sie furchtbar pedantisch. Wirklich. Wer würde sonst den Comedian nach seiner Show aufsuchen und ihm seine Grammatikfehler erläutern. Kein Witz. Das heißt vielleicht, dass Deutsche viel Wert auf ihre Sprache legen oder sie Ausländern mit den Feinheiten der Sprache helfen wollen. Oder es bedeutet, dass Muttersprachler des Englischen Raumes eher auf erfolgreiche Kommunikation als auf Richtigkeit achten.

 

DREW erzählt mir von einem weiteren Begebnis, als er in einem Wartezimmer saß und ein anderer Patient sich dazu setzte. DREW hat ganz verzweifelt versucht ein Gespräch aufzubauen, ganz auf amerikanische Art eben, doch jeder Versuch scheiterte kläglich. Letztendlich sagte der Mann: „Ich will nicht reden.“ Oh, das war unangenehm... Aber warum wollen Deutsche nicht reden? Vielleicht aus demselben Grund, warum sie bei einer von Drews Shows nicht gelacht haben. „Wir wollten Dich nicht ablenken.“ Wie zuvorkommend!

 

 

Das Beste am Comedian-Dasein für DREW ist, dass man alles in etwas Positives verwandeln kann. Selbst wenn einem etwas Frustrierendes passiert, kann man es analysieren und einen Witz oder eine lustige Anekdote daraus machen. „Es ist wie mit dem besten Freund darüber zu reden, dass jemand gemein zu dir war. Er ist auf Deiner Seite und unterstützt dich. Das hoffe ich auch vom Publikum zu bekommen. Es ist ein geniales Gefühl, wenn so viele Leute mit dir sind.“ Ich frage ihn, ob es ihn optimistischer gemacht hat. Aber DREW muss zugeben, dass er schon ein heimlicher Optimist ist. Und das ist in Deutschland wohl auch notwendig, wo Leute nicht reden wollen, aber sofort dabei sind, wenn es darum geht Grammatikfehler zu korrigieren.

 

Wenn Ihr noch mehr von DREW PORTNOYs interkulturellen Geschichten lauschen wollt, könnt Ihr das gerne machen. Zum Beispiel auf seiner Webseite, auf der er deutsche Podcasts hochlädt, in denen er über und mit deutsche(n) Comedians spricht. Wenn ihr lieber live dabei seid, hat DREW auch demnächst ein paar Auftritte in Berlin. Wenn ihr dann dabei seid, könntet Ihr vielleicht auch so nett sein und lachen und klatschen. Er wird nicht abgelenkt. Versprochen!

 

SoundCloud       YouTube       Homepage

 

Beitrag erschien im Vorgängerblog am 01.04.2014

Autor: Sophie Jüterbock

... pushed by BANJO & ELFE.

0 Kommentare
By Banjo